Antikes Denken

Antikes Denken: Philosophie, Literatur, Ethik
November 23rd, 2008

Hegel’s Dialektik und die Matrix-Trilogie

Posted by admin in Allgemeines

Bei Hegel schlägt das Prädikat, indem es sich an seiner eigenen Grenze zum Anderen “reibt”, ständig in sein Anderes um und versöhnt sich so im Für-Sich mit seiner Negation. Es ist das Resultat aus der Tatsache, dass das Eine nicht ohne das Andere gedacht werden kann.
So auch in „Matrix“. Agent Smith ist in der Matrix (die von den Maschinen simulierte Scheinwelt) ein Agent („der Gute“), in der Maschinenstadt (mit Zion als letzter Bastion der Menschen) aber ein Wächterprogramm („der Böse“). Während Morpheus in der Matrix ein gesuchter Terrorist ist („der Böse“) und in der Maschinenstadt Vater-, und Erlöserfigur („der Gute“). Sie sind weder das eine, noch das andere und schlagen wie in Hegels Diskurs ständig in ihr Gegenteil um.
Morpheus muss übrigens nicht nur in der Matrix Regeln brechen, um zum Ziel zu gelangen: Auch in „The Matrix Reloaded“ bricht er in Zion Regeln, um das Orakel zu kontaktieren.

Commander Lock: Sie hatten den direkten Befehl nach Zion zurückzukehren
Morpheus: Das bin ich
Commander Lock: Aber sie haben angeordnet, dass ein Schiff zurückbleibt.
Morpheus: Ich wäre selbst geblieben, aber mein Energievorrat war verbraucht.
Commander Lock: Also geben sie zu, dass sie sich einem direkten Befehl widersetzt haben.
Morpheus: Wir brauchen jemanden in der Matrix, der auf die Kontaktaufnahme des Orakels wartet.
Commander Lock: Ich will diesen Scheiß nicht hören. Mich interessieren keine Prophezeiungen, der Messias oder das Orakel. Mich interessiert nur eins: Zu verhindern, dass diese Armee die Stadt zerstört und dafür brauch ich Soldaten, die meine Befehle befolgen.

Selbiges gilt auch für:

  • Rama Khandra (einerseits Programm, andererseits wie ein Mensch liebend)
  • Neo (einerseits Mensch, andererseits trainiert er „wie eine Maschine“, „You need to unplug man…”)
  • Die Wächterprogramme (einerseits Maschinen, andererseits bewegen sie sich wie Tiere/Spinnen)

Wie bei Hegel, so muss dieser Zustand des Gegensatzes auch in der Matrix überwunden werden (die Gleichung muss ausgeglichen werden). Während bei Hegel das Sein (als Für-Sich-Sein) dazu auf eine neue Stufe gehoben wird (in der beide Formen des Daseins als vereint und versöhnt miteinander integriert sind), wird in „Matrix“ dazu eine neue und komplexere Simulation (Matrix) gestartet. Der Architekt spricht selbst einmal davon, dass die Matrix-Welten von mal zu mal perfekter werden, der Widerspruch (in Form eines Erlösers als „Anomalie“) sich aber nie auflösen lässt. Der Fortschritt der Menschen ist also fest an die  Existenz von Maschinen geknüpft, während der Fortschritt der Maschinen ebenso an die Menschen geknüpft ist. Faszinierend nicht wahr?

Graphische Übersicht

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1986). Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften I, in: Georg Wilhelm Friedrich Hegel:Werke 8, Frakfurt am Main.

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